Die vietnamesische Kultur

Jedes Land hat seine Spezialität, das in dem Wort „Kultur“ steckt. Vietnam ist ein Land der Verwundungen und Gespaltenheit, wurde geteilt und mehrmals von ausländischen Mächten kontrolliert. Das Land hat deshalb im Allgemeinen weniger Vertrauen dem Anderen gegenüber, was gut erklärt, warum es nicht leicht ist eine Zusammenarbeit mit Fremden, Inländern oder Ausländern, nur nach verschriftlichten Regeln zu etablieren.

 

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Jedes Land hat seine Regeln und Vietnam hat auch Spielregeln, die man als Fremde/r beachten soll, wenn man in dem Land wirtschaftlich tätig sein will. Welches Denksystem haben die Vietnamesen? Wodurch sind sie beeinflusst? Was ist für sie wichtig? Und was ist zu beachten, wenn man mit ihnen zu tun haben und bedauerliche Erfahrungen sowie Verluste vermeiden will?

Es folgen ein paar wichtige soziokulturelle Faktoren in der vietnamesischen Kultur:

Reziprozität als Handlungsprinzip

Bei den Vietnamesen spielt persönliche Beziehung im Sinne gegenseitiger Hilfe im Leben eine herausragende Rolle. Das Reziprozitätsprinzip wird als eine Art Sparschwein zu jeder Hilfe sowie Sachleistung betrachtet. Dabei stellen sich stark verzweigte Verwandtschaftssysteme als ein Netz der Reziprozität dar, das als ein soziales System zur Leistung und Gegenleistung geprägt von der Überzeugung von Dankbarkeit und Gegenseitigkeit interpretiert wird.

Hierarchieakzeptanz

Die ursprüngliche Gesellschaft Vietnams basierte auf dem Reisanbau, der als gemeinschaftsbildender Faktor galt. Dazu gehörte die Erfordernis eines sozialen Ordnungssystems des Nassreisanbaus - wegen der vielen Arbeiten wie Aussaat, Umpflanzung, Bewässerung und Ernte, das Einbringen der Ernte als Sicherung zum Überleben seiner Mitglieder, der Ablauf der Zusammenarbeit nach festen Regeln: Ein- und Unterordnung in die Gemeinschaft sowie das Respektieren von Hierarchieebenen und die Achtung vor dem Alter, die Entstehung der gegenseitigen Hilfe sowie Unterstützung durch besondere Schicksalsgemeinschaften, die vor Dürren sowie Überschwemmungen bedroht sind und Kooperation ganzer Dörfer bei größeren Projekten wie Sicherung der Deiche, Regulieren der Flussläufe für den Reisanbau. Von daher wurden Entscheidungen sowie ein hohes Maß an Loyalität basierend auf dem Zurückstellen eigener Interessen zugunsten des Gemeinwohls akzeptiert und diese Akzeptanz beeinflusst das Handeln in der vietnamesischen Gesellschaft bis heute.

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Die Familie als Eckpfeiler der vietnamesischen Gesellschaft

Die Einbeziehung sämtlicher Familienmitglieder in den Arbeitsprozess und das Auftreten der Großfamilie wird eher als solidarisches statt ökonomisches Handeln angesehen. Freunde, Verwandte sowie Familienmitglieder sitzen an Stellen des Betriebes ohne Berücksichtigung der entsprechenden Qualifikationen; in anderen Worten: Familiäre Beziehungen statt Qualifikation und Ausbildung existieren auf diese Weise immer noch in der heutigen Zeit auf wirtschaftlicher Ebene und in Behörden. Die große Familie wird als Altersvorsorge, Ausbildung, berufliche Entwicklung, Geborgenheit sowie emotionale Wärme verstanden. Das Maß der Anerkennung variiert je nach Beitrag zur Existenz seiner Familie

Das „Tinh-Cam-Prinzip”



Dieses Prinzip hat eine Basis aus dem Reziprozitätsprinzip. Dabei  sind gute Gefühle dem Gegenüber und Umgang mit vollem Respekt dem Anderen gegenüber zu verinnerlichen. Sympathie, Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft gelten als gute Kredite. Es soll nicht vergessen werden, Aufmerksamkeit für die Mitmenschen zu haben und Beiträge für die nahe Gemeinschaft zu leisten. 

Wie oben erwähnt, haben die Vietnamesen sehr enge Kontakte mit Freunden, Verwandten und der Familie. Man hilft gerne! Das Ziel des Menschlebens ist nicht unbedingt das Leben des Eigenen, sondern das für und mit den Anderen. Man kämpft nicht nur für sich, sondern für das Wohl und den Stolz der Familie, der Gemeinde und Freunde. Man kann nicht trennen, ob der Stolz der Familie der gleiche von sich selbst ist oder weil die Familie wohl und stolz auf die Person ist, ist die Person auch wohl und ist sie deshalb stolz. Es ist notwendig zu wissen, dass man Aufmerksamkeiten für seine Mitarbeiter wie Leute in der eigenen Familie haben soll. Die Hilfsbereitschaft und die Großzügigkeit sind als Charakter einer vertrauten Person angesehen. Wer gibt, dem wird gegeben - so funktioniert das Tình Cảm Prinzip. Das ist das Prinzip der Liebe und der Achtsamkeit. Das bedeutet, wenn man dieses Prinzip gut beherrscht, hat man den besten Schlüssel, um das Herz der Vietnamesen zu öffnen.



Religionen

Es gibt keine einheitliche religiöse Gemeinschaft aufgrund der Neigung der Vietnamesen zu pragmatischen Lösungen und praxisorientiertem Verhalten.
Die Einflussgrade der Religion sind sehr unterschiedlich zwischen Dorf, Kreisstadt, Kleinstadt, Provinzstadt, Großstadt. Darüber hinaus verleiht die Tatsache des Glaubens in Vietnam einen Eindruck, dass nur passende Formen der Glaubensrichtungen zu ihren Strukturen sowie Interpretation über die Welt und die Menschen einen Platz haben.

Ahnenkult und Animismus: In Vietnam glaubt man oft, dass die Natur kein Stillleben ist, dass der Mensch nach dem Tod in die Welt der Ahnen eingeht und dass der Mensch abhängiges Wesen, als Glied einer langen und scheinbar unendlichen Kette von Vorfahren und Nachfahren ist. Die Unsterblichkeit der Seele ermöglicht die Vorstellung, dass nach dem Tod der tote Mensch immer noch am Leben der Familie teilnimmt und in gewisser Weise das Leben beeinflussen kann. Opfergaben und Kulte sind deshalb Zeichen der Harmonieerwartung mit Geistern sowie des Gedenkens der verstorbenen Menschen. Man bittet nämlich die Ahnen um ihre Unterstützungen in schweren Zeiten
Im Allgemeinen ist der Kult der Ahnen ist die Grundlage der Religiosität der Vietnamesen.

Der Konfuzianismus in vietnamesischem Kontext: Es bezieht sich auf die Sorge für die Ahnen, für sich und für die Kinder, Ehrung der Eltern sowie der verstorbenen Eltern, langfristige Planung für lebenswichtige Dinge, Sparneigung des Haushaltskonsums zum Zweck der Versorgung für die Zukunft (Alter, Ausbildung für Kinder, Hausbauen, etc.), Ablehnung jeglicher Veränderung sowie Erneuerung wegen der immerwährenden Harmonie, sehr strenge Formulierung des Verhaltens von und zwischen Geschlechtern. Frauen sind im allgemeinen Verhältnis immer noch in einer sehr untergeordneten Rolle bei der Geschlechterbeziehung. Korrektes Verhalten wird streng beobachtet, dabei wird jedes Wort, jede Geste als Teil eines Rituals angesehen. Auch dieses erklärt die Kompliziertheit in der Anredewendung der Sprache. Auch politische und ökonomische Handlungen werden mit einem Bedeutungsüberschuss versehen! Ansonsten ist kein Raum für ein bürgerliches Individuum im Sozialismus wie auch im Konfuzianismus
   
Taoismus in Betrachtung der Vietnamesen: Die Harmonie der Natur in der Bildung des Yin (materielle Gestalt) und des Yang (den Geist) steht im Zentrum der Lebenseinrichtung. Dies ist die Philosophie des Einklangs vom Sich- selbst mit der Umwelt. Dabei versucht der Mensch, sich um Balance von Geist, Körper und Seele (Darstellung in den Techniken der vietnamesischen Kampfkunstsportart „Vovinam“ zu bemühen. Auch aus diesem Grund entsteht die Sorgfalt bei der Nutzung von Farben und Dingen wegen der Substanzen der Sachen (Yin oder Yang vs. Yin und Yang). Mit der Ideologie vom Daoismus wird die Rolle der Mütter als Gegensatz zum Konfuzianismus gehoben. Die davon überzeugten Menschen lassen ihre Reisedaten sowie wichtige Termine voraussichtlich durch einen Yin- und Yanexperten festlegen. Jedoch die Meinung, dass man die vorhandene Harmonie nicht zerstören soll, führt oft zu passivem Verhalten der Menschen im Sinn der positiven Änderungen sowie der Erneuerung für das Leben.

Buddhismus in Vietnam ist wie ein Konglomerat von Ahnen- und Geisterkulturen, taoistischen Götzen- und Dämonenanbetung in der Darstellung und hat  einen Einfluss von einem wohl abgestimmten System von animistischen Praktiken. Buddhismus ist nur eine Ergänzung zu allem, was man erworben hat und mit Erwartung praktiziert, dass man im Geschäft mehr Gewinn aufgrund der Unterstützungen angebeteter Geister/ Ahnen bekommen kann.

Cao Dai und Hoa Hao ist eine spezielle Sekte aus Vietnam, die versucht, verschiedene Glaubenssysteme zusammenzufassen und die Besten und die Edelsten aller Religionen der Welt als Ziel zu verinnerlichen.

Christentum: Es wurde durch durch koloniale Zeit (Katholisch) verbreitet. Es gibt ca. 12 Mio. Menschen, die dazu gehören. Allerdings ehren die Christen auch ihre Verstorbenen Angehörigen!

Das wichtigste Fest in Vietnam

Es gibt Nationalfeiertage, an denen man frei bekommt, wie der 10.03 nach dem Mondkalender (Andenken an den König Hung Vuong), der 30.04 (Tag der Einheit des Landes), der 01.05 (Internationaler Arbeitstag), der 02.09 (Tag der Einheitserklärung/ Nationaltag), der 03.09 (Todestag zu Ho Chi Minh), der 5.5 nach Mondkalender und der 15.08 nach Mondkalender (Vollmondfest- Kinderfest).

Allerdings steht nur das Tet- Fest: Neujahrfest nach dem Mondkalender als zentrales Ereignis jedes Jahres in Vietnam. Dies ist Anlass zur Erweisung der Achtsamkeit, Dankbarkeit und Aufmerksamkeit mit Geschenken, Besuchen, Partys, Ahnenkult bzw. eine Gelegenheit des Austauschs gemeinsamer Gefühle und die Weitergabe von ethnischen Prinzipien, schönen Bräuchen und edlen Hoffnungen; die Verbindung der Vergangenheit und Gegenwart zu der Bestärkung des Geistes des Zusammenhaltes der Gemeinschaft sowie als Ausdruck der Liebe zur Heimat und des Stolzes auf die eigenen Wurzeln sowie die Gelegenheit zur Zurückgabe des verschuldeten Geldbudgets.
Zur Vorbereitung dieses Fests richtet man seine Wohnung bzw. sein Haus neu ein. Essen und Getränke werden mindestens für drei Tage des neuen Jahres im Vorraus besorgt. Das Tetfest ist eine gute Gelegenheit für jede neue Kontaktaufnahme in Vietnam, wenn man weiß, dass das Fest für die Vietnamesen wichtig ist. Mit einem Geschenk oder einer Einladung zum Essen sowie zum Besuch will man einen Vietnamesen signalisieren, dass man ihn gerne in der Nähe haben will. Dies erweckt die Empathie und Sympathie von einem Vietnamesen und gerne zieht der Vietnamese den Fremden in seine nahe Welt und zeigt ihm, welches Potenzial er hat und wie gut er mit dem Fremden zusammenarbeiten kann. Man hat dadurch ein familiäres und freundschaftliches Gefühl von dem Fremden.

 

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